Alptraum, Alptraum… Ich bin schlauer als mein Traum!

Heute Nacht hatte ich erstmals eine Erfahrung, die ich intuitiv als „Alptraum“ bezeichnet habe.
Nach dem Aufwachen fühlte ich den Schrecken, den Unglauben, das Zerreißen während des Traumes, mein Empfinden beim Erleben der Bilder, noch so deutlich, dass es mich in eine Starre versetzte.
Das Ding war allerdings, dass ich diesen Traum heute Nacht nicht nur einmal erlebte, sondern nach jedem Aufwachen erneut. Fünf mal.

Neben mir selbst, aus der Beobachterperspektive – wie im Leben, ohne mich selbst dabei zu sehen (ich spreche auch gern von der „Egoshooter“-Perspektive) spielten meine Freundin, die noch auf Gomera haust, sowie meine beiden Freunde René und Michael die Rollen.
René ist ein Verführer seinesgleichen, mit Michael hat er erst vor kurzem Freundschaft geschlossen, und beide unterstützen und lieben sich nun gegenseitig.

Der Traum ist kurz erklärt, zumindest die Szenen, die mir noch greifbar sind.
Wir drei Jungs gehen einen der Wege entlang, den ich auf Gomera beinahe täglich gegangen bin.
Ich schaue hoch. Im zweiten Stock erblicke ich sie. Sie sitzt auf einem Stuhl, auf dem Balkon. Es ist Morgen, wahrscheinlich beginnt sie ihren Tag soeben erst.

Ich schaue also hoch… Und wundere mich, dass sie meinen Blick nicht wahrnimmt. Sie spürt ihn nicht. Zumindest reagiert sie nicht darauf. Das ist nicht typisch. Ich werde mir der Dinge schnell bewusst, wenn sie nicht nach gewohnten Mustern geschehen.

René schaut ebenfalls hoch und siehe da, sie schaut herunter. Aber nicht zu mir. Zu ihm. Ein Augenkontakt, dem ich als Zeuge beiwohnte, reichte aus, um mir das sichere Gefühl zu geben, dass meine gemeinsame Zeit mit Ihr am Ende sei und René bereits zur Stelle war.

Die Freude in mir, die in erster Linie aus dieser einen Begegnung und der Zuversicht bestand, dass wir uns bald Wiedersehen und genießen können, wirkte urplötzlich wie eine Illusion. Zerplatzt. Ich konnte mich weiterhin dazu entscheiden in diesem Gefühl zu baden und mich über alles Erlebte zu freuen, meine Dankbarkeit war nicht gemildert, sehr wohl aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich meine Gefühle in weitere gemeinsame Momente manifestieren würde.

Ich war abermals verblüfft darüber, wie konkret im Traum das Unbewusste hervorgeholt wurde.
Nachdem ich die Entscheidung traf nun mehrere Monate abseits von ihr zu verbringen, entstand parallel natürlich die Angst, dass ich dadurch der Möglichkeit versagt hatte, uns wirklich wiederzusehen und die Welle zu halten, auf der wir zusammen geschwebt hatten. Mein Vertrauen lag darin, dass mehrere Monate physische Abkehr voneinander nichts daran verändern würden, wie wir uns danach wieder begegnen.

Der Traum hatte mich wieder an die Möglichkeit erinnert, die entsteht, wenn wir an etwas nur glauben, statt es zu wissen: nämlich den Zweifel

Und in seiner bildhaften Form zeigt sich der Zweifel womöglich als die Angst, das zu verlieren, woran man glaubt. Er sieht aus, wie das gegenteilige Extrem
dessen.

Als ich der Meinung war dem Traumempfinden genügend Raum geboten zu haben, es sich jedoch nicht minderte und mich weiterhin begleitete, begann ich meine Verbindung zu ihr aufzuspüren und zu fühlen.
Ich sah Bilder, viele Bilder. Einzelne Situationen, Heilige Momente, die wir erlebt hatten, erschienen. Ich sah uns wieder gemeinsam mit den Kindern in den Wellen toben, nackt, verspielt, verbunden und getragen durch die reine Ekstase.

Ich sah sie wieder auf diesem Felsen sitzen, der untergehenden Sonne entgegen. Wie ich zu ihr hochgeklettert war, mich hinter sie setzte und gemeinsam mit ihr eine Wahrnehmung von leuchtendem und alles durchstrahlendem Licht schuf.

Ich sah unseren ersten Kuss, die Momente davor und danach und wie wunderbar zwischen uns alles gepasst hat. Wie sich alles gefügt hatte, als sei unser Treffen durch eine größere Hand gefügt worden, ja beinahe bestimmt worden. Als sollten sich diese beiden Menschen, nun in der Blüte ihres Bewusstseins und ihres Menschseins, genau jetzt begegnen. Es war bestimmt, ich glaube daran.

Mir ging es deutlich besser. Wie könnte ich nicht vor Lebenswonne übersprudeln, solange ich in meinem Leben noch solche Oasen finde, wie sie. Wie könnte ich nur einen weiteren Moment am Leben zweifeln, wenn ich mich doch daran erinnern kann, wie es mich immer wieder überrascht und beschenkt hat. Danke.

Sie musste mir eine Nachricht gesendet haben, dachte ich dann. Wir sind sehr verbunden und immer in solchen Momenten, wenn wir aneinander denken, tut es auch der andere. Darauf kann ich mich selbst nach über einem
Monat ohne Augenkontakt und 4000km zwischen uns verlassen.
Ich schaue also nach und erblicke zwei Nachrichten und sieben Videos, die sie mir gesendet hat! Nein, diese Menge ist nicht gewöhnlich, auch wenn ich erstmals in dieser Woche meine Nachrichten gelesen und eingesehen hatte.

Es war beinahe, als habe etwas gespürt, dass bei mir ein Ungleichgewicht entsteht und dieses ausgleichen wollte durch eine Manifestation dessen, was ich mir so sehr gewünscht hatte. Ein Zeichen von ihr. Irgendetwas, das meinen Verstand beruhigt, etwas neues, dass mich wieder an sie denken und dankbar sein lässt. Das habe ich bekommen.

Ich habe ihr Gesicht angesehen, als sei es das letzte, was ich je erblicken werde.
Ich habe ihrer Stimme gelauscht, als sei es die letzte, die ich je hören werde.
Ich habe die Liebe und Dankbarkeit zu meinem Leben gespürt, als hätte ich sie neu entdeckt.

Was kann ich daraus lernen?
Vielleicht, dass wir Ängste nicht so ernst nehmen sollten. Es gibt eine Gefahr, ja, aber sicherlich keinen Grund zur Angst und zum Zweifel, wenn sich die Situation eh nicht ändern lässt.
Vielleicht, dass das Leben immer gerissener ist, als ich meine, sobald ich daran zweifel.
Vielleicht, dass das Gedankenmachen okay ist, sich aber so viel besser anfühlt, wenn ich mich daran erinnere, was ich alles habe und erleben durfte, statt was fehlt oder fehlen könnte.
Vielleicht auch, dass ich nicht vollständig ich bin, wenn ich mich sorge. Ich verliere an Fähigkeiten, vor allem im sozialen Miteinander. Ich war in diesen Stunden nach dem Aufwachen etwas neben mir, desinteressiert am anderen und lethargisch.
Vielleicht aber auch, sollte es mich daran erinnern, wie sehr wir Schöpfer unserer Realität sind. Ich habe im Traum zu keinem der beteiligten Personen ein Gespräch gesucht. Meine subjektive Beobachtung hat dazu geführt, dass ich ein Urteil fiel, welches mich unglücklich machte. Die Sache hätte geklärt werden können.

Im Wachzustand habe ich mein Vertrauen wieder erneuern können, sie hat es mir mit Nachrichten bestätigt, unsere Verbindung… Sie sprach im
Video von dem Tag, als wir mit den Kindern im Meer spielten. Davon, wie ich sie auf dem Felsen sitzend überrascht hatte. Von dem umfassenden Gefühl des Einsseins, welches wir gemeinsam erleben.
Sie sprach davon, was auch mir in diesen Tagen am wichtigsten ist. Davon, woran ich nach dem Aufwachen dachte.

Wir sind verbunden. Danke.

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