Hat sich der letzte Kreis geschlossen?


Ich bin zufrieden, ja erfüllt. Ich kann die Wichtigkeit der vergangenen Ereignisse, der letzten Wochen und Monate, erahnen, aber klar greifen kann ich noch nicht gänzlich, was geschehen ist. Nicht so klar, dass die Worte, die dabei entstehen, mir das Gefühl geben die Dinge gut beschreiben zu können. Womöglich ein Grund darüber zu schreiben und sich einige Gedanken zu machen.

Es ist vollbracht. Es fühlt sich nach einem Ende an, als sei ein lange offen gewesener Kreis geschlossen worden. Ganz viele Kreise. Ganz viele Emotionen, Vergangenheit, einst unerfüllte Erwartungen, die Narben hinterließen. Die mich vorsichtig werden ließen und mir stets ein Signal waren, um die gleichen feherhaften Muster nicht erneut zu durchleben.

Vielleicht ist es gar ein neuer Anfang unserer Beziehung? Vielleicht ist jedes vermeintliche Ende nur ein neuer Anfang, ein neues Kapitel, welches das alte mit einschließt, aber aus dem alten Kapitel heraus noch nicht zu sehen war.

Die Rede ist von den beiden größten zwischenmenschlichen Schwierigkeiten in meinem Leben, die einzigen beiden, die bis zuletzt ungeklärt blieben, ohne gemeinsame Aussprache, ohne dass ein neues liebevolles Gefühl zwischen uns entstehen konnte.
Nein, unsere Beziehung war nachwievor geprägt von dem Gefühl, welches wir bei unserem letzten Wiedersehen erschaffen hatten. Ein grausames, vor dem ich mich erschrecke, ein schwierig zu tragendes Gefühl. Doch ich bin kein Feind von Schwierigkeiten und sehe in jedem Fehler einen Weg zur Perfektion, oder zumindest zur Wahrheit.

Ich habe während einer Beziehung großen Schmerz erfahren. Ich habe großes Leid zugefügt. Viele Missverständnisse, die Unfähigkeit den anderen zu sehen und zu verstehen, haben uns zunehmend voneinander entfernt, erst innerlich und emotional, ehe es sich im Äußeren dramatisch manifestierte.
Mordversuche. Gewalt. Den Menschen alleine lassen, dem man die Liebe schwor.
Mir zittert die linke Hand beim tippen… ich bin bedacht das damals erlebte Drama zu schildern, um deutlich zu machen, was sich ändern konnte.
Ich möchte es nicht, weil ich die Dinge heute anders sehe. Mich in das Erleben zu versetzen, welches heute ein Jahr her ist, kostet mich viel Kraft und lässt mich wieder fühlen, wie damals. Ich entscheide mich dagegen, wohlwissend, dass damals nichts schlimmes passiert ist – das kann ich heute rückblickend sagen.

Wir haben uns geliebt und wir haben uns den Rücken zugewendet. Damals hatte ich Sorge… ich sah in ihr ein Wesen mit mir unbekannter Kraft. Einen Menschen, der Dinge bewegen kann, von denen ich nicht mal zu träumen wage. Sie hat heilende Fähigkeiten und reinste liebevolle Intentionen, wie ich sie nicht hatte. Sie war zu einem Grad zur Selbstaufopferung fähig, wie es mir unbekannt war.
Zwar sah ich mich ihr in allen Gaben unterlegen, doch war mir bewusst, dass unser Treffen dazu diente, dass ich ihre Gaben öffne. Ihr Vertrauen in sich selbst. Stabilität.
Ich habe es lange mit Worten versucht, die sie nie hören wollte und daher vergebens waren. Wir können nur denen helfen, die unsere Hilfe wollen.
Nach der Trennung habe ich mir Gedanken gemacht, ob ich ihr durch unser gemeinsames Drama nicht sogar die Eröffnung ihrer natürlichen Begabungen erschwert hätte.
Und nun haben wir uns wiedergesehen. Ein Jahr danach. 364 Tage sind vergangenen, in denen wir beide die emotionale Kraft unserer Trennung als Beschleunigung für unsere eigene Transformation genutzt haben. Jeder für sich, mit Unterstützung und Begleitung unserer besten Freunde, aber außerhalb der Sichtweite des anderen.

Sehr erleichtert habe ich erfahren, dass ich sie mehr prägen konnte, als gedacht. Weil sie im nachhinein für sich beschloss zu lernen, was ihr passte. Das waren nicht die Inhalte meiner Reden, sondern meine Handlungen, meine Art die Welt zu sehen.
Das hat sie adaptiert und so nutzen können, dass ihre eigenen Talente mehr und mehr zum Vorschein kommen. Für mich war es pure Erleichterung, zu sehen, dass ich keine bleibenden Narben hinterlassen, sondern sie auf ihrem Weg beflügelt und gefördert hatte. Wenn es meine Aufgabe ist einen Reibungspunkt zu fokussieren, damit daraus Wachstum resultiert, dann werde ich das machen, auch wenn unsere Beziehung darunter vorerst zu leiden scheint.
Nie möchte ich müde werden, wohlwissend um meine eigenen Begabungen, die Eigenschaften und Talente anderer zu sehen, zu spiegeln und zu fördern. Wenn wir diese Welt verändern möchten, dann brauchen wir dafür eine Horde starker Persönlichkeiten mit tollen Fähigkeiten, auf jeden einzelnen wird es ankommen und ich tue meinen Teil, um alle zu versammeln.

Und nach einem Jahr habe ich schließlich den Menschen wiedergesehen, für den ich eine Liebe empfunden habe und noch heute empfinde, wie sie nur Gott geschaffen haben kann.
Wenn ich meine Augen schließe und an ihren Namen denke sehe ich strahlendes Weiss. Tatsächlich. Es funktioniert immer wieder, es fühlt sich ekstatisch und befreiend an.

Wir standen uns gegenüber und haben uns lange in die Augen geschaut, kurz erläutert, dass kein Wort dieser Situation gerecht werden kann, und uns weiter angeschaut.
Wir haben uns zwei Tage lang daran erfreut, wie es dem anderen geht. Dass es ihm gut geht,wie nie zuvor!
Wir haben alles, was geschehen ist, längst als notwendig erkannt, um heute dort zu sein, wo wir sind. Um heute zu sein, wer wir sind. Niemand kann dem anderen noch auf irgendetwas böse sein, es gibt keinen Anlass dafür. Was geschehen ist, ist geschehen, und aus einer anderen Energie heraus, als wir sie heute in uns tragen.

Was da heute in uns keimt, dem gilt es eher seine Aufmerksamkeit zu richten. Und das habe ich getan.
Ich habe sie gesehen. Es war wunderschön… es muss das Schönste auf dieser Welt gewesen sein, zumindest für einen Moment, zu spüren, dass wir nebeneinander gehen, den Blick des anderen suchen und uns daran erfreuen ihn erwidern zu können, mit aller Bereitschaft die wir zum Leben haben. Diese Augenkontakte haben mehr gesprochen, als jeder Schriftwechsel, der während des Jahres möglich gewesen wäre.
„Ich sehe dich, ich verstehe dich. Ich bin überwältigt von dem, was ich in dir sehe. Ich habe Bewunderung in mir, für den Weg, den du gegangen bist. Die größte Art Bewunderung, die ich für jemanden empfinden kann. Ich liebe dich. Ich habe nie aufgehört dich zu lieben, und deswegen habe ich dich losgelassen, weil es für dich besser war. Ich liebe dich, dafür dass du bist, wer du bist. Weil du einzigartig und vollkommen bist, weil ich es liebe, wie du strahlst und es mir die größte Genugtuung ist, zu wissen, dass es dir wirklich gut geht.“

Dass dieses Wiedersehen, dieser Augenkontakt möglich war, das grenzt für mich nicht an ein Wunder – es ist eines!
Alles ist, immer, eine Frage der Perspektive. Vor einem Jahr war die Perspektive natürlich, dass wir beide getrennte Leben leben werden. Dass unsere Trennung weniger einen größeren Sinn hatte, sondern vielleicht viel mehr uns unsere Gedankenmuster offenbaren sollte.
Ein Jahr später habe ich bereits das zweite große Liebeswunder erlebt, nachdem ich gelernt hatte zu lieben ohne mich zu verlieben (erstes Wunder), indem ich die Gelegenheit bekam nochmal von der Frau geliebt zu werden und sie zu lieben, der ich einst so wehgetan hatte.

Ich danke meinem Leben dafür, dass es immer gerissener ist, als ich denke, wenn ich beginne mal daran zu zweifeln.
Ich danke dafür, dass mein Vertrauen und meine Ehrlichkeit sich immer ausgezahlt haben und ich so reichlich mit magischen Momenten gesegnet werde.

Heute bin ich freier, als man eigentlich sein kann… ich bin gesund, wohlhabend, auf Reisen, lerne was ich möchte, habe keinen der Verantwortung für meine Entscheidungen übernimmt, bin voller Freude und Zuversicht, habe große Pläne und bestes Vertrauen, die Dinge zu nehmen, wie sie kommen. Und nun bin ich auch noch frei von Vergangenem. Keine offene Baustelle mehr, nichts, was zwischen mir und irgendwem noch ungeklärt ist. Im Gegenteil, alle unterstützen mich.

Danke für dieses Leben.

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