Standpunkt nach meiner Rückkehr

Die „Kreativpause“ ist hiermit nach knapp einem halben Jahr beendet. Die nächste Schwierigkeit wartet bereits und möchte wissen, wie ich gedenke sie zu bewältigen: zu viel Stoff für Texte, zu wenig strukturierende Gedanken dazu.

Und womit beginne ich zu erzählen?
Chronologisch! Versuchen wir es mit einer vorerst groben Skizze meiner vergangenen Monate:

Im Januar kam ich gemeinsam mit einem guten Freund, Jakob, auf La Gomera (kanarische Inseln) an. Das Jahr zuvor war für mich durch eine sehr emotionale Beziehung geprägt, die in der dramatischsten Disharmonie auseinander ging, die ich mir vorzustellen fähig bin. Und es sollte mein Bild von mir und Beziehungen nachhaltig beeinflussen. Damals war mir zunächst nur klar, dass ich anscheinend sich ähnliche Menschen anzog und ich mich von diesem Muster befreien wollte. Erstmal, indem ich mich nun aus Beziehungen raushalte und mein eigenes Ding fokussierter verfolge.

Es wurde die zweite intensive disharmonische Beziehung in meinem Leben, die erste war diejenige zu meinen Eltern. Beides hatte sowohl wer ich bin, als auch zu wem ich mich entwickeln möchte sehr beeinflusst.

Einige dunklere Wochen hatten mir diese beiden Erfahrungen, die aus so vielen aufeinander aufbauenden Situationen bestanden, beschert. In beiden Situationen sah ich kein Vorankommen, da im einen Fall jemand keinen Kontakt mehr zu mir wollte und im anderen Fall ich die anderen Menschen für unveränderlich hielt, wobei ich eine Veränderung ihrer Perspektive als Voraussetzung für Frieden sah.

Während des letzten Jahres reifte mein Wunsch, oder später viel intensiver mein Gefühl, mein Verlangen, nach La Gomera zu reisen. Irgendwie begegnete mir diese Insel in Gesprächen immer häufiger, bis ich irgendwann überzeugt war, dass einer meiner wichtigen nächsten Lebensschritte sich dort abspielen sollte.
Ich konnte mich selber dabei beobachten, wie ich anderen gegenüber wiederholte, dass ich lediglich meinem intuitiven Gefühl folgen möchte und mir dieses sogar mitteilt, dass mindestens eines von drei in mir schlummernden Bedürfnissen dort erfüllt werden wird. (Ich werde beginnen zu musizieren; ich werde charismatische Menschen treffen, die meinen eigenen Weg für mich klarer gestalten werden; ich werde die Frau meines Lebens finden)

Die Verbindung zu meinem intuitiven Gefühl erfolgte damals noch schwammiger als heute und ich war mir selten unmittelbar sicher, ob dieses Gefühl einem rationalen Wunschdenken entsprach oder gar eine Art Vorhersage war. Das sollte ich, wie vieles weitere, erst rückblickend beurteilen können. Und mir war damals nicht im entferntesten bewusst, was diese drei unterbewusst formulierten Wünsche für eine Stellung in den kommenden Monaten einnehmen sollten, wie sie mein Leben, meine Wahrnehmung, mein Bild von mir selbst und allen anderen grundlegend ändern würden.
Ich habe mir nicht mal die Erfüllung eines dieser Wünsche zuende vorgestellt… Vor wenigen Tagen bin ich wieder in der Heimat angekommen und stelle überwältigt fest, dass alle drei in Perfektion geschehen sind, wobei vor allem meine letzte Woche auf La Gomera den Höhepunkt meiner vergangenen Jahre auszeichnet.

Jakob und ich waren nun also auf La Gomera. Noch knapp anderthalb Monate blieben wir zusammen und fanden gemeinsam bereits nach Tagen in das hiesige Netzwerk. Jakob war bereits während unserer Reise und auch auf den Inseln derjenige, der mir unbewusst alle Schlüssel in die Hand gab, damit ich später so freudig lachend manifestieren konnte, wie ich es tat.
Ohne ihn hätte ich mich selbst nicht fähig gesehen an einem fremden Ort im Ausland umgehend Kontakte aufzubauen, mich ins Leben zu integrieren und allerhand nützliche Informationen zu ergattern. Das Netzwerk, in das wir Zugang fanden, bestand in erster Linie aus Reisenden, die sich für wenige Wochen bis Monate auf den Inseln rumtrieben, ihr Handwerk verfeinerten, auf größere Ziele hinarbeiteten und gemeinsam während unserer Zeit zu einer Familie zusammen wuchs.
Der erste, den Jakob noch am ersten Abend kennenlernte, hieß Johannes. Er sollte die nächsten Monate zu etwas wie einem Bruder für mich werden, mein bester Freund vor Ort, mein Nachbar, eine Inspirationsquelle und derjenige, der mir diese atemberaubende Höhle ermöglichte, in der ich bis Ende Mai hausen durfte.

Was mich im äußeren und inneren während dieser Monate wohl am meisten beschäftigte, waren die vielen Begegnungen mit wundervollen Frauen, die Lektionen über die Liebe, die ich im Jahr zuvor begreifen und nun anwenden durfte. Ich war Regisseur, Schauspieler, Zuschauer und das Schauspiel selbst in einem.
Wenn ich heute zurück schaue, dann weiß ich, dass ich den Schmerz aus der letzten Beziehung und allen anderen nicht mehr in mir trage. Passend dazu hat sich eine Gelegenheit ergeben diese eine Frau wiederzusehen und wirklich in Harmonie zwischen uns das eigene Leben fortzusetzen. Der Kreis schließt sich.

Die zweite Sache sah so aus, dass ich immer wieder auf La Gomera die Obhut über die Kinder (4-10 Jahre) von Freunden übernahm. Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht und voneinander lernen dürfen. Ich bin zahlreiche mentale Schritte gegangen, die mir – da bin ich sicher – in meiner eigenen Vaterrolle einst helfen werden.
Es war auch eine wichtige Erfahrung, weil unweigerlich nach weniger guten Erinnerungen ans eigene Elternhaus die Überzeugung, dass ich es „besser machen kann“, nicht selbstverständlich war. Das musste ich erstmal über Monate täglich erfahren.

Ich habe mich „verliebt“. Sicher mehrmals. In einer Phase sogar wöchentlich, die die mich kennen, spiegeln mir diese Eigenschaft zum
Glück immer wieder als etwas schönes. „Toll, dass du dich jeden Tag neu verlieben kannst!“

Diese Geschichten alleine wären mir Geschenk genug gewesen. Sie fanden ihre Krönung jedoch zunächst darin, dass ich trotz all der Begegnungen immer ein Höchstmaß an Zufriedenheit und Frieden in mir selber fand, ich zu keinem Zeitpunkt in ein unkontrolliertes Verlangen oder gar Abhängigkeit kam – im Gegenteil, mich jede weitere Begegnung einfach noch dankbarer für mein Leben werden ließ und meine innere Freude ankurbelte.
Letztendlich endete es darin, dass die Frau, in der ich mehr von mir sehe, als in meinem eigenen Spiegel, und ich uns parallel ineinander verliebten und die uns beiden bis dahin in dieser Intensität unbekannten Gefühle erstmals erlebten, gemeinsam. Ich weiß nicht, ob es alleine möglich gewesen wäre diese für mich höchste aller Erfahrungen zu erleben. Es stellt für mich die Krone der Liebe, den heiligen Gral des spirituellen und damit menschlichen Erfahrungspotenzials dar.

Wir haben uns innerhalb dieser strahlenden Lichtwelt, die wir auf natürliche Weise erschaffen, sobald wir zusammen sind, gegenseitig viel Kraft gegeben für die anstehenden Monate. Unsere Pläne werden unser beider Leben bis zum Winter voraussichtlich voneinander trennen, eine Entscheidung die viel Klarheit bringt, wenngleich wir uns dafür vorerst wieder von dem trennen müssen, was wir gefunden haben. Zumindest illusorisch, denn nehmen kann es uns niemand mehr.

In der Heimat angekommen, mit unweigerlich neu entflammter Ausstrahlung, hat sich einiges getan. Mein Wohnort für die nächsten Monate hat sich nahezu selbst gefügt und liegt in meinem größten Interesse.
Die Beziehung zu meinen Eltern hat den absoluten Frieden gefunden, ein Meilenstein, an den ich niemals dachte ihn so früh bereits zu erreichen. Wir werden nicht müde vor gegenseitiger Anerkennung und unser Weg wird nie wieder getrennt voneinander laufen. Ich habe diesen Menschen mein Leben zu verdanken, auf mehr als nur die biologische Art. Sie haben nie aufgehört mir die Bausteine und Werkzeuge für ein sicheres Leben mitzugeben, in dem mir alle Möglichkeiten offen stehen werden. Ich beginne das zu begreifen und sehe sie mit anderen Augen.
Sie sehen nicht nur meine Entwicklung, sondern auch meinen Erfolg. Und die Tatsache wirklich gesehen zu werden, und dass es ihnen gefällt was sie sehen, erfüllt mich mit umfassender Liebe und Glückseligkeit, für die ich keinen Ausdruck kenne.

Danke, dass ich leben darf.

(die kommenden Wochen werde ich beginnen erste Geschichten aus Gomera zu verschriftlichen)

ein Kommentar

  1. Das klingt unglaublich erfüllend und ich freue mich richtig mit. Unglaublich, nicht nur dass du deine drei Wünsche erfüllen konntest, sondern auch das Maß, in dem die Erfüllung dich glücklich macht. Einfach toll 🙂

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